BimmerToday Deutschland

Geisterfahrer oder Vorreiter? BMW und der Wasserstoff-iX5

Im Jahr 2028 wird BMW ein Serienfahrzeug mit Wasserstoff-Brennstoffzelle (FCEV) auf den Markt bringen – und befindet sich damit auf einem Sonderweg, den zumindest bis dahin keiner der etablierten Konkurrenten gehen wird. Wir haben uns kürzlich mit Dr. Michael Rath, als Vice President Hydrogen Vehicles verantwortlich für die Wasserstoff-Fahrzeuge der BMW Group, darüber unterhalten, ob BMW hier als Geisterfahrer unterwegs ist und wo er die relevanten Vorteile gegenüber reinen Elektroautos (BEV) sieht, die zum Teil schon heute über 700 Kilometer WLTP-Reichweite bieten und damit die Bedürfnisse der allermeisten Kunden bequem erfüllen können.

Aus seiner Sicht ist BMW in Sachen Wasserstoff keineswegs ein Geisterfahrer, sondern vielmehr ein Vorreiter. Er vergleicht die aktuelle Situation mit dem Beginn der 2010er-Jahre, als BMW intensiv auf den Marktstart des Elektroautos i3 hinarbeitete und damit ebenfalls früh dran war. Als der i3 Ende 2013 auf den Markt kam, war er ebenfalls ein Exot und ohne Konkurrenz mit Premium-Anspruch – heute kann man sagen, dass er seinen Teil zur starken Stellung von BMW im Elektromarkt beigetragen hat, denn beim weltweiten Absatz spielten die Münchner auch 2024 in einer anderen Liga als ihre angestammten Rivalen Mercedes und Audi. Ob man das gleiche in einem Jahrzehnt über Fahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzelle sagen wird, bleibt freilich dennoch abzuwarten.

Unbestritten ist, dass ein Fahrzeug wie der von uns im Praxistest unter die Lupe genommene BMW iX5 für sich betrachtet weniger effizient als ein reines Elektroauto ist. Dr. Michael Rath ist dennoch überzeugt, dass es einen Markt für FCEV gibt und denkt dabei an Kunden, die künftig lokal emissionsfrei fahren wollen oder müssen, aber aus verschiedenen Gründen kein Elektroauto nutzen können. Gerade in urbanen Ballungszentren ist es oft nicht möglich, ein Elektroauto vor der eigenen Haustür zu laden und auch bei Langstrecken-Fahrten bietet die Option zum schnellen Nachladen des Wasserstoff-Tanks Vorteile.

Fahrzeuge wie der BMW iX5 könnten 2028 auch davon profitieren, dass in den nächsten Jahren Teile des Schwerlastverkehrs auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Hierfür wird ein engeres Tankstellennetz benötigt, das sich derzeit in Planung befindet. Auch bei Nutzfahrzeugen gilt, dass reine Elektroautos auf den ersten Blick effizienter sind und weniger Energie benötigen. Für Flottenbetreiber können sich unter bestimmten Umständen dennoch Vorteile ergeben, weil die Ladezeiten wesentlich kürzer sind. Hinzu kommt, dass sich die Verfügbarkeit und damit der Preis von Wasserstoff deutlich verändern könnten, wenn er flächendeckend als Energiespeicher genutzt wird.

Die BMW Group sieht Fuel Cell Electric Vehicles daher als ideale Ergänzung zu den bisherigen Battery Electric Vehicles. Beide Konzepte sollen Seite an Seite angeboten werden, stehen also nicht in direkter Konkurrenz zueinander – ganz ähnlich wie Kunden bisher zwischen Benziner und Diesel wählen können, gäbe es demnach auch künftig unterschiedliche Angebote, die auf anderen Wegen zum gleichen Ziel der emissionsfreien Mobilität führen.

Während die Brennstoffzelle ein Produkt der Kooperation mit Toyota ist, übernimmt der voraussichtlich im Segment des X5 antretende und BMW iX5 genannte Wasserstoff-BMW die übrige Technik von seinen BEV-Brüdern: Komponenten wie die Elektromotoren werden 1 zu 1 übernommen. Aller Voraussicht nach heißt das, dass wir an Bord des iX5 die BMW eDrive Gen6 sehen werden, die in wenigen Monaten an Bord der Neuen Klasse debütiert. Der als Zwischenspeicher benötigte Akku wird mit einer Kapazität von 2 kWh wesentlich kleiner als in einem Elektroauto vergleichbarer Größe ausfallen, weshalb auch der Rohstoff-Bedarf im Bereich von Lithium & Co. wesentlich geringer ausfällt.

Exit mobile version